Februar 3, 2008

Unerreicht: Bio-Milch

Ich liebe Bio-Milch.

    Das ist kein Geheimnis – wer mich kennt, weiß, dass ich nervös werde, wenn ich den Tag ohne eine gute Schüssel Müsli oder einen Milchkaffee beginnen muss. Ich laufe dann mit dem Milchkarton in der Hand an verwunderten Gesichtern vorbei in die Uni und treibe meine Kollegen in den Wahnsinn, wenn ich lauwarme Milch im Winter zum Abkühlen auf das Fensterbrett stelle, wo sie unversehens zufriert und durch eine unbedachte Handbewegung zum tödlichen Geschoss wird.

    Seit ich im Nationalpark Berchtesgaden die Kühe live und in Action erlebt habe und nun eine Verbindung zwischen der Aufzucht, der Qualität des Futters und dem unverschämt guten Ergebnis herstellen kann, ist es um mich geschehen: Ich bin ein Biomilch-Junkie. Wenn man mich fragen würde, was für mich Luxus bedeutet, würde ich sagen: in zehn Minuten zu Fuß einen Liter Biomilch einkaufen zu können. An einem Ort, wo das möglich ist, kann es keine schlechten Menschen geben. Und in Bamberg konnte ich aus dem Vollen schöpfen: Bärenmarke und Berchtesgadener bei Kupsch (direkt neben der Uni), Domspitz bei REWE (400 m vom cœ) und auch die NORMA-Milch (5 Minuten zum ZOB) war nicht ohne.
     
    Dass es in Amerika wohl schwieriger würde, damit hatte ich gerechnet – wie schwierig, hatte ich mir jedoch in den schlimmsten Träumen nicht vorgestellt: Es gibt in den USA etwa vierzig Hersteller für Milch – davon schreiben zehn “Organic”, also Bio, auf ihre Milch, was aber nichts heißen muss, denn die Bezeichnung ist nicht, wie in Europa, durch Kontrollen geschützt. Es gibt Empfehlungssigel, etwa wie CMA bei uns, von denen manche halbwegs brauchbar sind (etwa das der unabhängigen Verbraucherzentrale) und manche völlig überflüssig (U.S. Department of Agriculture). Seit die Bush-Administration zudem die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel gekippt hat, herrscht muntere Anarchie im Kühlregal. Die meisten ”organischen” Produkte sind nicht einmal hocherhitzt, aber trotzdem vier (!) Wochen haltbar. Ein Geschäftsmann aus Baltimore klagt momentan und behauptet, ihm sei nach jahrelangem Genuss der Marke Diary Dream eine elfte Zehe gewachsen. 
     
    Bis ich das alles herausgefunden hatte, waren ungefähr drei Monate vergangen. Ich hatte etwa dreihundert Meilen im Zipcar zurückgelegt, zwanzig verschiedene Supermärkte besucht und ein paar Dutzend Mal die Katze im Sack gekauft. Am schlimmsten war der Monat September, in dem ich mich nach einem kolossalen Fehlgriff zwei Wochen lang von einem Zweigallonenkanister fettfreier Sojamilch ernähren musste.
     
    Die entbehrungsreichen Monate und unermüdlichen trial-and-error-Prozesse lieferten schließlich drei Milchsorten, auf die man bauen kann: Organic Valley, Horizon Organic und Real California Milk. Dumm nur, dass diese jeweils exklusiv für einen Supermarkt produziert werden. Und der befindet sich natürlich nicht in Nähe des Colleges:
     
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    Organic Valley bei Price Chopper (3 km vom College, $8 mit dem Zipcar, $14 mit dem Taxi oder zwei Stunden zu Fuß)
     
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    Horizon Organic bei Trader Joe’s (in Shrewsbury, 8 km, Zipcar $16, Taxi $30, ein Tagesmarsch)
     
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    Real California Milk bei Walgreens (in Boston, 60 km, Zipcar $32, Taxi ein halbes Monatsgehalt, Wochenendausflug mit dem Fahrrad mit Zwischenübernachtung in Framingham).
     
    Und so wie mit der Milch geht es einem mit vielen Produkten, die man in Europa im Vorbeigehen, hier aber nur nach sorgfältiger Planung in einer Art Rundreise erreicht. Ich habe deshalb beschlossen, diesen bedrohten Schätzen der Erde eine eigene Rubrik zu geben.

    Nennen wir sie “Unerreicht” – im doppelten Wortsinn.

    Februar 1, 2008

    Carrie Underwood: Some Hearts

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      Hinter Some Hearts verbirgt sich das in den USA äußerst gut verkaufte Album der “American Idol”-Gewinnerin von 2005. Zu einer Zeit, in der in Deutschland völlig talentfreie Profilneurotiker wie Daniel Küblböck Wahnsinn und Schrecken verbreiteten, glaubten die Produzenten in den USA immer noch an die Kraft der Musik. Die vierte “Idol”-Staffel stand ganz im Zeichen der Country Music, die in den USA noch immer leichter zu verkaufen ist als alles andere. Carrie Underwood siegte, sagte danke – und begann, mit einem Team unabhängiger Komponisten ihr eigenes Ding zu machen. Der Sender war empört, Worte wie “undankbar” und “Schmarotzerin” fielen. Wer die CD hört, weiß jedoch: sie hatte völlig Recht.

        Die CD führt uns in ein Soundszenario nach Art von Kelly Clarkson oder Faith Hill – wobei bereits das Debütalbum von Carrie Underwood besser ist als alles, was Faith Hill seit Breathe 1999 zu Stande gebracht hat. Zwar will das Album zunächst den Eindruck erwecken, Underwood sei nur wieder eines dieser netten Mädchen von nebenan. Sie packt ihre Koffer und wird von ihrer Mutter wohlwissend verabschiedet: Don’t Forget To Remember Me. Sie jedoch fährt um die Ecke und ist wirklich weg, die wohlbehütete Welt ist zu Ende. Ein neues Leben beginnt, mit all seinen Höhen und Tiefen, die in einem sicheren Stilmix zwischen Country, Pop und Rock entfaltet werden. Das Album findet seinen Höhepunkt in der Mitte mit Before He Cheats, in dem die Hintergangene beschließt, sich an ihrem (vermutlich Ex-)Freund zu rächen. Ihr Plan ist so grausam, als hätte sie ihn gemeinsam mit Shania Twain und Alanis Morissette ausgeheckt, der Song schon jetzt so etwas wie die inoffizielle Hymne der Frauenbewegung in den USA.

          Bereits nach der ersten Hälfte der CD hat man vergessen, dass Carrie Underwood eigentlich das Produkt einer Castingshow ist. Das haben wohl auch die Produzenten gespürt und nach einer Reihe Roadmovie-verdächtiger Songs, völlig unnötig, ihren Siegertitel aus der Show Inside Your Heaven noch einmal hinten angeklebt – nach dem Motto: vergiss nicht, wer dich hierher gebracht hat. Zu spät. Der Zuhörer bemerkt den schlechtesten Titel des Albums und ignoriert ihn künftig einfach. Und Carrie Underwood ist in nur 13 Tracks ihren Entdeckern über den Kopf gewachsen. Man darf gespannt sein, was sie als nächstes anstellt. 

          Januar 29, 2008

          Vorwahlen: Aus für Giuliani und Edwards

          Gewinner: Clinton/McCain

          Florida ist ein Krimi-Staat: hier verlor im Jahr 2000 Al Gore nach dramatischen Wochen die Wahl gegen George W. Bush, obwohl er national die meisten Stimmen gesammelt hatte. 537 Stimmen mehr im Staat Florida verschafften Bush die heiß begehrten 27 Wahlmänner, die ihn zu einem hauchdünnen Sieg trugen.

          Schuld an der chaotischen Situation waren die eigenwilligen Abstimmungsgeräte im Staat: Zettel und Bleistift wurden hier ganz im Sinn der convenience durch technische Geräte ersetzt. Heraus kamen Lochmaschinen mit missverständlicher Beschriftung und berührungsresistente Touchscreens, die die wenigen aufrechten Floridians, die überhaupt erschienen, zur Weißglut trieben.

          In Florida rivalisieren seit jeher zwei Wählergruppen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: zum einen sind da die konservativen reichen Rentner aus dem zugigen Mittelwesten, die sich hier in Scharen zur Ruhe setzen und von der derzeitigen Regierung kräftig mit Steuergeschenken füttern lassen. Sie ärgern sich über die vielen jungen Latinos, die ins Land kommen, nur Spanisch sprechen, katholische Kirchen bauen und rotzfrech die Demokraten wählen.

          Florida ist ein klassischer swing state, vielleicht der wichtigste überhaupt, und es ist gut möglich, dass hier die Entscheidung über den neuen Präsidenten fällt.

          Hillary Clinton (50%) kommt bei den Latinos an. Sie siegt klar über Barack Obama (33%) und John Edwards (14%), der mit ziemlicher Sicherheit das Handtuch werfen wird. Allerdings ist sie auch hier nur die moralische Gewinnerin: wie Michigan hat Florida seine Vorwahlen ohne Absprachen vorgezogen und verliert damit Delegiertenstimmen, die Hillary weit vorangebracht hätten.  

          Auch die Republikaner werden reduziert: Rudy Giuliani, der mit seinem Wohnmobil zwei Wochen lang wie ein Besessener durch Florida gefahren ist und Tausenden von Wählern sein bestes Haifischlächeln gezeigt hat, wird Dritter. Die großspurig angekündigte “Abräumaktion” scheitert grandios, der ehemalige Favorit scheidet mit insgesamt null Delegiertenstimmen aus dem Rennen aus.

          Auch Mitt Romney hat einen taktischen Fehler begangen: er hat zum ersten Mal Beständigkeit bewiesen, indem er den Floridians das gleiche erzählt hat wie den Wählern in seiner Heimat Michigan. Allerdings machen sich Themen wie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Investitionen in Industriestandorte nicht gut in einem Staat, in dem die Hälfte der konservativen Wähler Rentner sind und die andere Hälfte in einem der 89 Vergnügungsparks ihre Dollars aus der Gondel wirft. 

          John McCain gewinnt in Florida, schnappt sich alle 57 Delegiertenstimmen (winner-takes-all) und landet direkt auf Platz eins. Das hat keiner erwartet – der Außenseiter hat sich mit seinem straight talk gegen die Süßholzraspler und Selbstdarsteller durchgesetzt. Für McCain ist das die denkbar beste Ausgangslage, um in den Super Tuesday am 5. Februar zu starten und eine echte Chance auf das berüchtigte momentum.

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          Januar 19, 2008

          Vorwahlen: Nevada und South Carolina

          Nevada  Gewinner: Clinton/Romney

          Der erste Wüstenstaat ist an der Reihe. Nevada ist eine Wüste von der Größe der alten Bundesrepublik, in der man eine Millionenmetropole (Las Vegas) und eine einzige Kleinstadt (Carson City) künstlich am Leben erhält; hier konzentrieren sich 98% der Bevölkerung. Der Rest des Staates ist dünner besiedelt als Grönland. 

          Nevada wählt in den Präsidentschaftswahlen tendenziell eher republikanisch, stimmte jedoch mehrheitlich für John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson und – beide Male – für Bill Clinton. Im Fall einer Nominierung hätte Hillary hier daher äußerst gute Karten.

          In den Primaries schlägt sie Barack mit 51 zu 45%, John Edwards landet mit 4% abgeschlagen auf Platz drei. Doch wieder kommen Obama die eigenwilligen Spielregeln der Staaten zu Gute: auf Grund der proportionalen Verteilung der Stimmen nach Wahlbezirken in Nevada gewinnt er 13 Stimmen (plus einen vorher bestimmten super delegate), und hat damit erneut genauso viele Stimmen wie Hillary. 

          Mitt Romney siegt haushoch, auf Platz zwei landet überraschenderweise Ron Paul, dicht gefolgt von McCain, Huckabee und Thompson. Giuliani geht zum fünften Mal in Folge leer aus und lässt über seinen Wahlkampfmanager verbreiten, sich jetzt voll und ganz auf den Superwahltag am 5. Februar zu konzentrieren, um dann “in Florida als Favorit das Rennen klar zu machen”. Übersetzt heißt das: er kämpft ums politische Überleben.


          South Carolina  Gewinner: Obama/McCain

            South Carolina lässt die Nation aufhorchen: Favorit John Edwards wird selbst in seiner Heimat nur Dritter (18%), und Hillary Clinton (27%) wird von Barack Obama (55%) deklassiert. Bei den Präsidentschaftswahlen ist und bleibt South Carolina für Demokraten jedoch hartes Brot; der letzte Kandidat, der hier punktete, war John F. Kennedy.

              Als klassischer bible belt-Staat ist South Carolina voll von konservativen evangelikalen Christen, in deren Augen man statt Hillary Clinton genauso gut den Teufel persönlich aufstellen könnte. Und auch für einen Präsidenten Obama wäre eine Mehrheit hier keineswegs sicher: zwar ist jeder dritte Einwohner South Carolinas schwarz, jedoch haben die neuesten Umfragen gezeigt, dass Obama in erster Linie bei weißen Studenten und Besserverdienern Unterstützung findet. In den Blogs wird außerdem diskutiert, wie “schwarz” Obama nach seiner Blitzkarriere überhaupt noch ist.

                Auch bei den Republikanern fragende Blicke: statt dem ehemaligen Baptistenprediger Huckabee siegt der religiös nicht greifbare Veteran John McCain und steht damit stimmenmäßig zwischen Huckabee und Romney. 
                 
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                Januar 18, 2008

                Well, come!

                Wie schön, dass ihr da seid!

                  Mein neuer Kumpel Jack Frost und ich begrüßen euch ganz herzlich an der weißen Ostküste! Wie das so ist, wenn Freunde zu Besuch kommen, haben wir uns ein bisschen Zeit genommen, unsere Bude tüchtig aufzuräumen und ordentlich eingeschürt. Warum kommt ihr nicht erst mal rein und trinkt ein Glas alkoholfreien amerikanischen Glühwein mit uns? Wir erzählen euch, was wir seit August alles erlebt haben!

                    Wenn ihr Lust habt, dann bleibt doch bis Mai und seid gespannt, was noch so alles passiert! Aber jetzt erst mal rein mit euch!  

                    Januar 15, 2008

                    Vorwahlen: Heimspiel für Romney, Nullrunde bei den Demokraten

                    Gewinner: Clinton/Romney

                    Michigan ist geteilt. Nicht nur meinungsmäßig, auch geographisch. Der Staat im Mittelwesten besteht aus zwei echten Halbinseln in den Great Lakes und besitzt damit die längste Seeuferlinie der Welt. Und die Unterschiede gehen noch weiter: Die Lower Peninsula gehört als Heimat der Automobilindustrie seit Jahrzehnten zu den größten Umweltverschmutzern der Gegend und beherbergt eine urbane Katastrophe namens Detroit. Die Upper Peninsula gilt dagegen als Touristenmagnet und zieht neben vor allem Ruhe suchende Bewohner des Dirty South an.

                    Mitt Romney profiliert sich hier als erfolgreicher Unternehmer, der weiß, wie man ökonomische Anreize setzt und den abgestürzten Haushalt saniert. Er kultiviert hier außerdem sein Image als Privatmann und Outsider, der als einziger glaubwürdig den Kampf gegen den Washingtoner Lobbyistensumpf aufnehmen und gewinnen kann. Dabei hat er es gerade hier, meint man, nicht wirklich nötig: er wuchs in Michigan auf und kennt die Bevölkerung wie kein Zweiter. Hier war schon sein Vater George W. (!) Romney von 1963 bis 1969 Gouverneur. Ein Heimspiel, sollte man meinen. Trotzdem gewinnt er mit nur 9 Prozent Vorsprung vor John McCain und Mike Huckabee. Ron Paul und Fred Thompson landen ebenso im einstelligen Bereich wie Rudy Giuliani, für den es langsam ernst wird.

                    Hillary Clinton gewinnt Michigan – hat jedoch leider schon wieder nichts davon. Da der Staat Michigan sich erdreistet hat, ohne Rücksprache mit der National Convention seinen Vorwahlkampf um Wochen nach vorne zu verlegen, wurden ihm kurzerhand die Delegiertenstimmen entzogen. Barack Obama und John Edwards haben sich daher gar nicht erst aufstellen lassen.

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                    Januar 12, 2008

                    Maccaroni auf Mahagoni

                     

                    Nach den Wirren der ersten Tage klingt Alans Einladung wie Musik in unseren Ohren: „Warum kommt ihr nicht heute Abend zu uns? Wir kochen Pasta und machen uns endlich mal einen schönen Abend!”

                      Die Aussicht, unserem Geisterhaus für ein paar Stunden zu entfliehen, zaubert ein Glitzern in Cris‘ und meine Augen - wir beschließen aber trotzdem vorsichtig zu sein. Wer weiß, welche Fallen das Nachbarhaus bereithält…

                        20 Uhr. Wir betreten das Haus vorsichtig, in leicht gebückter Haltung und kneifen – mitterweile reflexartig – die Augen zusammen. Doch wir werden angenehm überrascht: die Wohnung sieht auf den ersten Blick sehr passabel aus und beim Anblick des gepflegten Teppichs und der neuen Möbel spüre ich einen leichten Anflug von Neid in mir aufwallen.

                          Doch – wie so oft – versteckt sich auch hier der Teufel im Detail: im weiteren Verlauf des Abends werden wir Zeugen, wie sich die Moskitotür so stark im Türrahmen verkeilt, dass die Wohnung nur noch durch die Hintertür betreten und verlassen werden kann. Im Esszimmer baumelt ein vergoldeter Leuchter mit allerlei Glitzer und Glimmer, und zwar buchstäblich nur noch am seidenen Faden. Am Leuchter befestigt ist eine Kette, vermutlich um ihn einzuschalten. Wir erfahren jedoch, dass der Leuchter als elektrisch unberechenbar gilt und jede Berührung daher absolut tabu ist. Unter dem Leuchter steht ein wunderbarer Esstisch aus Mahagoniholz, der eine gewisse Ruhe ausstrahlt und etwas vom einstigen Glanz des Hauses erahnen lässt.

                            Alan steht in der Küche und kocht, während Antoine und Mariajo damit beschäftigt sind, von der Decke herabfallendes Dämmmaterial aufzufangen, bevor es in den Töpfen und Pfannen landet.

                              Und so beginnt das erste gemeinsame Dinner in der neuen Welt in 18 Caro Street, Worcester, Massachusetts. Es ist uns innerhalb von vier Tagen gelungen, unsere Ruinen in lebenswerten Wohnraum zu verwandeln, echte Lebensmittel einzukaufen und für zwölf Personen Abendessen zu machen. Wir fühlen uns wie die ersten Siedler am Thanksgiving Day, nachdem sie dem kargen Land ein bisschen Ernte abgerungen hatten. Ich blicke in die Runde: Jedem einzelnen ist totale Erschöpfung, aber auch tiefe Freude ins Gesicht geschrieben. Jeder genießt seine Pasta, schwärmt – einen Moment lang sind wir alle Italiener. Oder Europäer. Jedenfalls nicht in Amerika. Das College, die ersten Begegnungen mit den Studenten, der Stress der nächsten Wochen - das alles ist weit weg.

                                Die paradiesische Freude hält genau zwei Minuten. Sie wird beendet von einem dumpfen Knall aus dem Keller und einem kompletten Stromausfall in der gesamten Wohnung. Da während des Essens bereits die Jalousien geschlossen waren und niemand an Kerzen gedacht hatte, bricht völlige Finsternis über uns herein. Nach einigen tastenden Minuten gelingt es uns immerhin, die Jalousien zu öffnen, sodass etwas vom fahlen Mondlicht hereinfällt. Antoine erkundet mit der Taschenlampe den Keller und tatsächlich, fünf Minuten später erstrahlt die Wohnung wieder in hellem Glanz. Unter dem Jubel der Anwesenden steigt der Held des Abends leichenblass aus dem Keller. (Antoine möchte über seine Entdeckungen bis heute nicht reden). 

                                  Das Essen scheint gerettet, jedoch vergisst Maria José sich in der allgemeinen Euphorie einen Augenblick lang selbst. Sie beschließt, den Raum eine Spur heller zu beleuchten – und bricht das große Tabu. Und so erreicht der Abend den Höhepunkt, als der Esszimmerleuchter nach einem beherzten Zug an der Kette mit einem unvergesslichen Geräusch auf dem festlich gedeckten Mahagonitisch aufschlägt.

                                    Morgen essen wir wieder bei uns.

                                     

                                    Januar 12, 2008

                                    Hillarys Tränen

                                    Januar 8, 2008

                                    Vorwahlen (3): Beim Teutates!

                                    Gewinner: Clinton/McCain

                                    Ganz Amerika ist vom Mainstream besetzt. Ganz Amerika? Nein, ein kleiner Bergstaat im Nordosten wagt es, dem angepassten Leben Widerstand zu leisten. Seine Bewohner sind Bauern und Holzfäller, moderate Arbeiter und liberale Künstler, die ihre Heimat “The Granite State” nennen und “Live Free Or Die” auf ihre Nummernschilder schreiben. Und das Leben ist nicht leicht für die Kandidaten, die mit ihren Legionen von Wahlkampfhelfern in die Mehrzweckhallen und coffee shops der Nation einfallen.

                                    Die Einwohner New Hampshires sind dafür bekannt, dass sie sich mit Hingabe gegen aktuelle Trends stellen. Sie bringen regelmäßig die Favoriten beider Parteien zu Fall und geben so dem Wahlkampf von Anfang an eine andere Richtung. Mit ihren Stimmen geben sie oft politischen Underdogs den berühmten Schwung, der in den folgenden Wochen die Wähler in den übrigen Staaten maßgeblich beeinflusst (das sogenannte momentum).

                                    McCain siegt hier konsequenterweise als liberalster Republikaner knapp vor Mitt Romney, der als Gouverneur des Nachbarstaats Massachusetts auch in New Hampshire populär wurde. Dahinter landen Huckabee und Paul mit einstelligen Ergebnissen sowie Giuliani, der noch immer keinen einzigen Delegierten auf seiner Seite hat. Für ihn wird es langsam brenzlig.

                                    Bei den Demokraten gewinnt diesmal (prozentual) Hillary Clinton. Und das ist auch gut so, sagen die Analysten – denn eine weitere unerwartete Niederlage hätte Obama das gefürchtete momentum verschafft, dass vor vier Jahren John Kerry uneinholbar zur Nominierung katapultierte. Die Demokraten in New Hampshire verteilen jedoch die Delegiertenstimmen nicht nach dem Prozentsatz der gewonnenen Wahlbezirke, sondern nach der Mehrheit der tatsächlich abgegebenen Stimmen. Somit hat in Wirklichkeit Obama, wenn auch hauchdünn, wieder die Nase vorn und bekommt einen Delegierten mehr.

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                                    Januar 5, 2008

                                    Vorwahlen (2): Caucus in Wyoming

                                    Gewinner: Romney

                                    Mitt Romney gewinnt mit zwei Drittel der Stimmen haushoch über Fred Thompson und Duncan Hunter. Da Wyoming für die Republikaner ein winner-takes-all-Staat ist, bekommt er alle neun Delegiertenstimmen und führt nun das Feld an.

                                    Die Demokraten wählen hier erst im März. Und das Ergebnis in Wyoming dürfte nur für die Nominierung des Kandidaten wichtig sein: bei den Präsidentschaftswahlen im November wird Wyoming mit großer Sicherheit wieder von den Republikanern gewonnen werden – wie seit 43 Jahren. Allerdings geht es in dem mit einer halben Million Menschen bevölkerungsärmsten Staat der USA dann nur um 3 von 538 Wahlmännern.

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