Hinter Some Hearts verbirgt sich das in den USA äußerst gut verkaufte Album der „American Idol“-Gewinnerin von 2005. Zu einer Zeit, in der in Deutschland völlig talentfreie Profilneurotiker wie Daniel Küblböck Wahnsinn und Schrecken verbreiteten, glaubten die Produzenten in den USA immer noch an die Kraft der Musik. Die vierte „Idol“-Staffel stand ganz im Zeichen der Country Music, die in den USA noch immer leichter zu verkaufen ist als alles andere. Carrie Underwood siegte, sagte danke – und begann, mit einem Team unabhängiger Komponisten ihr eigenes Ding zu machen. Der Sender war empört, Worte wie „undankbar“ und „Schmarotzerin“ fielen. Wer die CD hört, weiß jedoch: sie hatte völlig Recht.
Die CD führt uns in ein Soundszenario nach Art von Kelly Clarkson oder Faith Hill – wobei bereits das Debütalbum von Carrie Underwood besser ist als alles, was Faith Hill seit Breathe 1999 zu Stande gebracht hat. Zwar will das Album zunächst den Eindruck erwecken, Underwood sei nur wieder eines dieser netten Mädchen von nebenan. Sie packt ihre Koffer und wird von ihrer Mutter wohlwissend verabschiedet: Don’t Forget To Remember Me. Sie jedoch fährt um die Ecke und ist wirklich weg, die wohlbehütete Welt ist zu Ende. Ein neues Leben beginnt, mit all seinen Höhen und Tiefen, die in einem sicheren Stilmix zwischen Country, Pop und Rock entfaltet werden. Das Album findet seinen Höhepunkt in der Mitte mit Before He Cheats, in dem die Hintergangene beschließt, sich an ihrem (vermutlich Ex-)Freund zu rächen. Ihr Plan ist so grausam, als hätte sie ihn gemeinsam mit Shania Twain und Alanis Morissette ausgeheckt, der Song schon jetzt so etwas wie die inoffizielle Hymne der Frauenbewegung in den USA.
Bereits nach der ersten Hälfte der CD hat man vergessen, dass Carrie Underwood eigentlich das Produkt einer Castingshow ist. Das haben wohl auch die Produzenten gespürt und nach einer Reihe Roadmovie-verdächtiger Songs, völlig unnötig, ihren Siegertitel aus der Show Inside Your Heaven noch einmal hinten angeklebt – nach dem Motto: vergiss nicht, wer dich hierher gebracht hat. Zu spät. Der Zuhörer bemerkt den schlechtesten Titel des Albums und ignoriert ihn künftig einfach. Und Carrie Underwood ist in nur 13 Tracks ihren Entdeckern über den Kopf gewachsen. Man darf gespannt sein, was sie als nächstes anstellt.



