Der Zollbeamte sieht unter seiner Mütze hervor. „Guten Tag, Sir. Wie geht’s Ihnen?“
„Ausgezeichnet, danke.“
„Was ist der Grund ihrer Einreise?“
„Ich werde als Fremdsprachenassistent an einem College arbeiten und studieren.“
Der Zollbeamte stutzt. „Sie werden arbeiten … und studieren?“
„Ja.“
„Wie können Sie arbeiten und gleichzeitig studieren?“
„Das ist ein Teil meiner Ausbildung.“
„Welcher Ausbildung?“
„Ich studiere in Deutschland, um Gymnasiallehrer zu werden.“
„Und was studieren Sie?“
„Englisch, katholische Theologie und Psychologie.“
Er zuckt zusammen.
„Was werden Sie hier unterrichten?“
„Deutsch.“
Der Blick verfinstert sich. “Wie können Sie in Deutschland drei Fächer studiert haben und dann hierherkommen und ein völlig anderes viertes unterrichten?“
“Ich bin als Muttersprachler hier und nur Fremdsprachenassistent, das heißt ich werde…“
„Zeigen Sie mir bitte Ihre SEVIS-Zahlungsbestätigung.“
„Ich habe die Visumsgebühr nicht bezahlt.“
„Sir, Sie haben keine Visumsgebühren entrichtet?“
„Ich habe sie nicht selbst bezahlt. Die Fulbright-Stiftung hat die Anmeldung für mich übernommen und die SEVIS-Gebühr bezahlt.“
„Wie können Sie ein Visum besitzen, wenn Sie nicht dafür bezahlt haben?“
„Die Fulbright-Kommission…“
Er blättert in ein paar Papieren. “Kenne ich nicht – zeigen Sie mir Ihren Sozialversicherungsausweis.“
„Ich habe noch keinen.“
„Sie wollen in den Vereinigten Staaten arbeiten und haben keinen Sozialversicherungsausweis?“
„Ich habe noch keinen. Woher hätte ich den nehmen sollen? Ich war ja noch nicht am College, um mich offiziell anzumelden.“„Noch nicht?“
„Nein, momentan stehe ich hier und versuche gerade, einzureisen.“
Ich fühle meine Beine nicht mehr. Entweder lande ich gleich bei der Versteckten Kamera im Studio oder in einer fensterlosen Einzelzelle. Doch vorher geht es weiter:
„Was haben Sie in der Tüte?“
„Drei Tafeln Schokolade.“
Er notiert. „Drei… Tafeln… Schokolade.“
„Ja. Schweizer Vollmilchschokolade.“
Ich ziehe sie aus der Tüte und zeige Sie ihm.
Er durchbohrt mich mit seinen Blicken. „Warum haben Sie das nicht mitgeteilt?“
„Schokolade ist zollfrei.“
„Was haben Sie sonst noch?“„Nichts.“
„Kein Essen, keine landwirtschaftlichen Produkte?“
„Nein.“
„Keine alkoholischen Getränke?“
„Nein.“
„Was werden Sie als erstes in den USA tun?“
(Das nimmt kein Ende. Überleg dir was, irgendeinen Quatsch.)
„Ich werde zu einem Spiel der Red Sox gehen.“
„Sie sind Fan der Red Sox?“
„Natürlich.“
(Keine Spur, aber die Sox sind die einzige Baseballmannschaft aus Boston, die ich kenne.)
„Haben Sie letzten Sonntag das Spiel gegen die Yankees gesehen?“
„Natürlich.“
„Wie fanden Sie Mick Johnson? Der hatte vielleicht einen Lauf, einfach fabelhaft!“
„Sie haben recht, der Junge entwickelt sich prächtig. Mit dem haben wir die Meisterschaft so gut wie in der Tasche.“
„Hmm.. ich weiß nicht, ob das so leicht wird. Die Yankees haben immerhin Rogers.“
„Machen Sie sich nicht lächerlich, Rogers hat seine Zeit gehabt. Ich sage Ihnen, Johnson bringt unsere Jungs schon durch.“Ein Strahlen geht über sein Gesicht. „Sie haben Recht, Sir!“ Er heftet ein Formular in meinen Reisepass und knallt vier Stempel darauf. „Herzlich willkommen in Amerika, Sir! … Der nächste!“