Januar 3, 2008

Vorwahlen (1): Iowa

Gewinner: Obama/Huckabee

Die Vorwahlsaison beginnt spannend: Bei den Republikanern hat Außenseiter Mike Huckabee die Nase vorn. Er gewinnt klar vor Mitt Romney, Fred Thompson und John McCain. Einen Achtungserfolg erzielt der Rebell Ron Paul, Favorit Rudy Giuliani landet abgeschlagen auf Platz sechs.

Die Demokraten starten mit einer kleinen Sensation: Barack Obama gewinnt klar vor John Edwards. Hillary Clinton, bis dato die haushohe Favoritin, landet kanpp dahinter auf dem dritten Platz. 

Zwischenstand nach Delegierten: 

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Dezember 20, 2007

A Reason for the Season (3)

    Hillary Clinton verliert als nächstes die Nerven und steuert den ersten demokratischen Beitrag zur Weihnachtsattacke bei: die ehemalige First Lady sitzt in ihrem (?) Wohnzimmer und packt Millionengeschenke ein. Dieses Jahr sollen eine Krankenversicherung, Ökostrom und Steuersenkungen unterm Christbaum liegen und auch die Soldaten sollen die Bescherung endlich wieder in Baltimore statt in Bagdad erleben. 

      (Hinter Universal Pre-K steckt das Vorhaben, ein allgemein verbindliches Kindergartenjahr für Dreijährige einzuführen. Es soll Kindern helfen, erste soziale Kontakte zu knüpfen, den Sprung in die Vorschule erleichtern und berufstätige Eltern stärker entlasten.)

        Neu und einmalig ist allerdings, dass die Beschenkten ihre Geschenke durch ihre Steuern selbst bezahlen. Wie diese trotz des mittlerweile riesigen Haushaltslochs finanziert werden sollen, bleibt genauso unbeantwortet wie die Frage, wann Hillary Clinton wohl zum letzten Mal ein Wohnzimmer voll Geschenke selbst eingepackt hat.

        Dezember 19, 2007

        A Reason for the Season (2)

          Lange war Mike Huckabee nicht alleine: Als erster der Kandidaten hat Rudy Giuliani nachgelegt, und man weiß nicht, was an dem Werbespot am meisten weh tut: der exakt kopierte Christbaum, der rote Pullunder oder die „gute Botschaft“ selbst.

            Mike Huckabee hat man die Rolle des häuslichen Familienvaters abgenommen, weil er es trotz seines Jobs als Gouverneur immer war. Rudy Giuliani möchte man nie, nie mehr wieder so sehen.

            Dezember 17, 2007

            A Reason for the Season (1)

             

              Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee, Republikaner und ehemaliger Baptistenpfarrer, hat die Zeichen der Zeit erkannt: Im Strudel des Wahlkampfes, der bisweilen im Stil einer Soap Opera geführt wird, verlieren die Kandidaten zusehens an Bodenhaftung und scheinen für jeden neuen Staat eine neue Maske parat zu haben. Der Zuschauer verroht und verbittert spürbar, sucht seinerseits den schönen Schein zu wahren und verkauft seine Seele an den Teufel oder seine Stellvertreter auf Erden Gucci, Apple und General Motors.

                Dabei ist Weihnachten doch das Fest der inneren Einkehr und der schlichten, heiteren Besinnlichkeit. Eine gute Gelegenheit also, sich dem Hauen und Stechen der Möchtegern-Präsidenten für ein paar Tage zu entziehen und zurück zur Normalität zu finden. Das Problem ist nur: so mancher Zuschauer ist dem Debattierclub bereits hoffnungslos verfallen und nicht mehr in der Lage, sein Ruhebedürfnis selbst zu erkennen. Er braucht Hilfe. Und die liefert ausgerechnet einer der Kandidaten selbst – verpackt in einen heimeligen Wahlwerbespot.

                  Die Idee ist so einfach wie genial: ein dem Washingtoner Stress sichtlich entrückter Mike Huckabee erscheint im roten (!) Pullover und verkündet die einzige Botschaft, die in diesen Tagen zählt: Jesus is the reason for the season. Er wird eingerahmt in eine perfekte Szenerie aus meditativem Stille-Nacht-Gezupfe, funkelnder Weihnachtsdeko und – ja, sowas – ist das im Hintergrund ein Bücherregal oder doch ein Kreuz? Das ist Politik, die nach Zimt und Weihrauch riecht. Vergessen sind die Millionen jüdischer, muslimischer oder anderweitig religiöser Amerikaner und auch die wenigen Agnostiker im Land – aber auf sie scheint man es sowieso nicht abgesehen zu haben. Huckabee bedient eine klassische Wählerschaft mit einer klassischen Botschaft: “Fröhliche Weihnachten! Vergessen Sie die Politik, davon verstehen Sie sowieso nichts. Gehen Sie lieber in die Kirche und … ach ja: wählen Sie mich!“ 

                    Es ist ein Werbespot, den Amerikaner wegen seiner persönlichen Note lieben werden und der gleichzeitig unverschämt raffiniert die Religion in den Wahlkampf transportiert: Huckabee legt auf eine Art und Weise vor, die von seinen Konkurrenten kaum zu überbieten sein dürfte. Eins ist jedoch sicher: sie werden es versuchen. Leider.

                    Dezember 12, 2007

                    Giovanni’s Roll-Out Piano

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                    Play like a Pro – roll it out and go!

                    Und wer ist überhaupt Giovanni? Selbst umfangreichste Recherchen … haben nichts ergeben. Er ist schlichtweg nicht vorhanden, will sagen: frei erfunden. Ganz soweit würde man in Deutschland sicher nicht gehen, haben wir doch eine reiche Auswahl drittklassiger Schunkelauguste, denen man mit einem letzten Gnadenwerbespot den schmachvollen Weg ins Dschungelcamp ersparen könnte. Falls das Roll Out Piano jemals den Weg zu uns findet, wären die geeignetsten Kandidaten vermutlich Roberto Blanco, Bata Ilic oder Peter Orloff – ganz richtig gelesen, die leben noch. Nicht genug, dass diese … uns mit schlechter Musik geärgert haben. Jetzt unterstützen sie Produkte, dank derer bald kein amerikanisches Kind mehr Klavier spielen kann.

                      Den Vogel schießt eine Mutter im Werbespot ab mit der Bemerkung: „Mich ärgert es, dass wir so viel Geld für ein richtiges Keyboard ausgegeben haben!“ Klar, warum auch viel Geld für ein sauberes Instrument hinblättern, wenn man für 99 Dollar einen billigen Mist kriegen kann. Hauptsache, das Balg hat etwas zum Herumklimpern und stört einen nicht bei der Selbstverwirklichung. Und kommt mir bloß nicht mit kulturellem Anspruch!

                        Sie verweist damit auf ein Problem, das ganz symptomatisch ist für das amerikanische Einkaufsverhalten: Denn Amerikaner erfinden so gut wie nichts Neues. Neunzig Prozent der Produkte, die jedes Jahr auf den Markt geworfen werden – und das gilt von der Lebensmittel- über die Spielzeug- bis hin zur Pharmaindustrie –sind Ladenhüter in neuer Aufmachung, im besten Fall mäßig weiterentwickelt.

                          Am Beispiel Musikinstrumente lässt sich dieses Phänomen besonders traurig darstellen: Man nimmt ein Produkt, das akustisch, analog, mechanisch und aus echtem Holz ist und der Menschheit in seiner ganzen Natürlichkeit über Jahrhunderte hinweg wertvolle Dienste geleistet hat. Anschließend wird das Produkt convenient gemacht: es muss tragbar sein, pinkfarben oder glitzernd oder am besten beides. Es muss in der Wüste Arizonas und auf dem Mount McKinley funktionieren und darf natürlich fast nichts kosten.

                            Das Produkt ist im Vergleich zu seinem natürlichen Vorbild ein ganz schlechter Witz – im Fall des Roll Out Pianos fast schon eine Perversion. Es sieht aber stylisch aus, ist verdammt billig und man kann damit die dummen Nachbarskinder neidisch machen. Deswegen wird es, verdammt noch mal, gekauft.

                              Das typische Misstrauen („Was nix kostet, ist nix wert!“) ist richtig und ausdrücklich erwünscht … – aber es ist so wahr.

                                Es muss auch nicht lange halten: da es ja billig war, schmeißt man es weg, wenn man es nicht mehr sehen kann und ersetzt es durch den allerneusten Mist. Als neuen Slogan würde ich vorschlagen: Buy like a Pro – drop the shit and go!

                                  Übrigens: Unbestätigten Gerüchten zufolge arbeitet Giovanni gerade an einer aufblasbaren Geige. Für den Werbespot ist André Rieu im Gespräch…

                                    (Um den Werbespot in seiner ganzen Unfassbarkeit zu sehen, klicken Sie bitte hier.) 

                                    Oktober 14, 2007

                                    Snack Well’s Cream Sandwich Cookie

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                                      Optisch ähnelt das Produkt einem Badschwamm im Miniaturformat, doch der Eindruck täuscht. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Qualitätsprodukt und zwischen den Rillen auf der Oberfläche lebt mindestens so viel Geschichte wie zwischen den 52 Zähnen eines Leibniz-Kekses. Well‘s ist eine der letzten Traditionsfirmen, denen noch daran gelegen ist, echte Qualitätsware zu produzieren. Am Beispiel des Cream Sandwich Cookie wird das überdeutlich:

                                        So genügt sich der Keks selbst völlig und kommt ohne übliches Blendwerk wie Karamellkruste oder Hagelzucker aus. Auch die weiße Milchreme fügt sich harmonisch in das nicht allzu süße Gesamtkonzept ein und verzichtet dankbarerweise darauf, mit übertriebenem Zimt- oder Vanillearoma zu Tode geflavort zu werden. Insgesamt also ein sehr europäischer Keks.

                                          Der Crunch ist ordentlich, vielleicht eine Spur zu ordentlich. Hier würde man sich wünschen, ein bisschen leichter zum Kern vorzustoßen und auf dem Weg dorthin ein paar Krümel weniger übers Sofa zu verteilen.

                                            Mit 5 Gramm Fett ist Snack Well‘s Cream Sandwich Cookie zudem ein Keks, der zufrieden, aber nicht rund macht. Ein echter Klassiker, der, leicht zerbröselt, in einer Schüssel Bananenmüsli die wildesten Geschmacksphantasien Wirklichkeit werden lässt. 

                                            September 15, 2007

                                            New England Clam Chowder

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                                              • 800 g gehackte Muscheln
                                              • 150 g gesalzenes Schweinefleisch
                                              • 1 große Zwiebel
                                              • 1/2 Sellerieknolle
                                              • 3 große Kartoffeln
                                              • 1 Lorbeerblatt
                                              • 1 TL Thymian
                                              • 750 ml Milch
                                              • 200 ml Sahne
                                              • 1/2 Tasse Butter
                                              • 1/4 Tasse Mehl
                                                • Schweinefleisch zusammen mit der gehackten Zwiebel und dem Sellerie anbraten, Butter hinzugeben und schmelzen lassen. Hitze reduzieren, Mehl langsam hinzufügen und 5 Minuten anschwitzen lassen, dabei gut durchrühren. Muscheln zusammen mit dem Sud, Kartoffeln, Thymian und Lorbeer hinzufügen und köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.

                                                    New England Clam Chowder wird traditionell im cannonball, einem kleinen ausgehölten Brot mit harter Kruste, serviert. Sie kann nach Belieben mit Fisch zur New England Seafood Chowder erweitert werden.

                                                      Campbell’<p>s Soup machte Generationen von Amerikanern satt und Andy Warhol steinreich.

                                                        Der Klassiker: Campbell’s Suppen machen nicht nur satt, sondern steinreich. Andy Warhol hat das ziemlich schnell begriffen und mit seinen Dosenbildern ein komplett neues Genre der Kunst geschaffen. Im Übrigen ist Campbell eine der letzten US-Marken, die völlig ohne chemische Keule auskommt, was die Suppen zu einer echten Rarität macht. Tradition hat auch ihr Gutes…

                                                        August 19, 2007

                                                        Ein Einreisegespräch

                                                        Der Zollbeamte sieht unter seiner Mütze hervor. „Guten Tag, Sir. Wie geht’s Ihnen?“

                                                        „Ausgezeichnet, danke.“

                                                        „Was ist der Grund ihrer Einreise?“

                                                        „Ich werde als Fremdsprachenassistent an einem College arbeiten und studieren.“

                                                        Der Zollbeamte stutzt. „Sie werden arbeiten … und studieren?“

                                                        „Ja.“

                                                        „Wie können Sie arbeiten und gleichzeitig studieren?“

                                                        „Das ist ein Teil meiner Ausbildung.“

                                                        „Welcher Ausbildung?“

                                                        „Ich studiere in Deutschland, um Gymnasiallehrer zu werden.“

                                                        „Und was studieren Sie?“

                                                        „Englisch, katholische Theologie und Psychologie.“

                                                        Er zuckt zusammen.

                                                        „Was werden Sie hier unterrichten?“

                                                        „Deutsch.“

                                                        Der Blick verfinstert sich. “Wie können Sie in Deutschland drei Fächer studiert haben und dann hierherkommen und ein völlig anderes viertes unterrichten?“

                                                        “Ich bin als Muttersprachler hier und nur Fremdsprachenassistent, das heißt ich werde…“

                                                        „Zeigen Sie mir bitte Ihre SEVIS-Zahlungsbestätigung.“

                                                        „Ich habe die Visumsgebühr nicht bezahlt.“

                                                        „Sir, Sie haben keine Visumsgebühren entrichtet?“

                                                        „Ich habe sie nicht selbst bezahlt. Die Fulbright-Stiftung hat die Anmeldung für mich übernommen und die SEVIS-Gebühr bezahlt.“

                                                        „Wie können Sie ein Visum besitzen, wenn Sie nicht dafür bezahlt haben?“

                                                        „Die Fulbright-Kommission…“

                                                        Er blättert in ein paar Papieren. “Kenne ich nicht – zeigen Sie mir Ihren Sozialversicherungsausweis.“

                                                        „Ich habe noch keinen.“

                                                        „Sie wollen in den Vereinigten Staaten arbeiten und haben keinen Sozialversicherungsausweis?“

                                                        „Ich habe noch keinen. Woher hätte ich den nehmen sollen? Ich war ja noch nicht am College, um mich offiziell anzumelden.“„Noch nicht?“

                                                        „Nein, momentan stehe ich hier und versuche gerade, einzureisen.“

                                                        Ich fühle meine Beine nicht mehr. Entweder lande ich gleich bei der Versteckten Kamera im Studio oder in einer fensterlosen Einzelzelle. Doch vorher geht es weiter:

                                                        „Was haben Sie in der Tüte?“

                                                        „Drei Tafeln Schokolade.“

                                                        Er notiert. „Drei… Tafeln… Schokolade.“

                                                        „Ja. Schweizer Vollmilchschokolade.“

                                                        Ich ziehe sie aus der Tüte und zeige Sie ihm.

                                                        Er durchbohrt mich mit seinen Blicken. „Warum haben Sie das nicht mitgeteilt?“

                                                        „Schokolade ist zollfrei.“

                                                        „Was haben Sie sonst noch?“„Nichts.“

                                                        „Kein Essen, keine landwirtschaftlichen Produkte?“

                                                        „Nein.“

                                                        „Keine alkoholischen Getränke?“

                                                        „Nein.“

                                                        „Was werden Sie als erstes in den USA tun?“

                                                        (Das nimmt kein Ende. Überleg dir was, irgendeinen Quatsch.)

                                                        „Ich werde zu einem Spiel der Red Sox gehen.“

                                                        „Sie sind Fan der Red Sox?“

                                                        „Natürlich.“

                                                        (Keine Spur, aber die Sox sind die einzige Baseballmannschaft aus Boston, die ich kenne.)

                                                        „Haben Sie letzten Sonntag das Spiel gegen die Yankees gesehen?“

                                                        „Natürlich.“

                                                        „Wie fanden Sie Mick Johnson? Der hatte vielleicht einen Lauf, einfach fabelhaft!“

                                                        „Sie haben recht, der Junge entwickelt sich prächtig. Mit dem haben wir die Meisterschaft so gut wie in der Tasche.“

                                                        „Hmm.. ich weiß nicht, ob das so leicht wird. Die Yankees haben immerhin Rogers.“

                                                        „Machen Sie sich nicht lächerlich, Rogers hat seine Zeit gehabt. Ich sage Ihnen, Johnson bringt unsere Jungs schon durch.“Ein Strahlen geht über sein Gesicht. „Sie haben Recht, Sir!“ Er heftet ein Formular in meinen Reisepass und knallt vier Stempel darauf. „Herzlich willkommen in Amerika, Sir! … Der nächste!

                                                        August 18, 2007

                                                        Eine Flughafenodyssee

                                                        August 1, 2007

                                                        „Amea!“ – Drohung und Verheißung

                                                          statue-of-liberty-2.jpgbigmac1.jpgalf_telefonuje.jpgknight-rider.jpg

                                                          Es war der erste Witz, an den ich mich erinnern kann und er kam von meinem Vater: „Mama, Mama, ich will aber nicht nach Amerika!“ – „Sei ruhig und schwimm weiter!“

                                                          Auch wenn der Witz auf die meisten Fünfjährigen eher brachial wirkt und kindliche Urängste weckt – mich hat er fasziniert. Ich hatte im Fernsehen ein paar Dokus über die Ozeane gesehen und mich daran erinnert, welche Mühe es mir jeden Sonntag im Schwimmbad bereitete, eine ganze Bahn zu schwimmen. Allein deshalb war Amerika unerreichbarer und reizvoller als alles andere, was ich kannte.

                                                          Auch wenn der Witz auf die meisten Fünfjährigen eher brachial wirkt und kindliche Urängste weckt – mich hat er fasziniert. Ich hatte im Fernsehen ein paar Dokus über die Ozeane gesehen und mich daran erinnert, welche Mühe es mir jeden Sonntag im Schwimmbad bereitete, eine ganze Bahn zu schwimmen. Allein deshalb war Amerika unerreichbarer und reizvoller als alles andere, was ich kannte.

                                                          In dieser Zeit lernte ich eine ganz neue Möglichkeit zu protestieren, wenn mich alles um mich herum aufgeregt hat. Ich habe einfach meinen Rucksack mit Krimskrams gefüllt und meine Auswanderung vorbereitet. Sollten sie mich nur alle nerven, ich konnte jederzeit abhauen. Auf die spöttische Frage meiner Mutter: „Und, wohin geht‘s?“, kam deshalb ein trotziges „Amea!!“.

                                                          Amerika war meine innere Emigration. Egal, wie es dort aussehen mochte, es musste das Paradies sein!

                                                          Und so schwierig es auch war dorthin zu kommen, so weit weg schien es von den alltäglichen Sorgen, die einen modernen Fünfjährigen so plagen: Sicher gab es dort keine Eltern, die einen um acht ins Bett steckten, es gab keinen Kakao mit Haut und am Spielplatz keine dicken Mädchen, die immer zwickten. Dafür gab es dort sprechende Autos, sprechende Pferde und sogar sprechende Außerirdische – so viel hatte ich im Fernsehen gelernt. Und Harry Fox, der im Kampf gegen das Verbrechen durch die Straßen von San Francisco raste.

                                                          Ich stand also bereits in meinen zartesten Jahren in der Tradition der verfolgten und geächteten Pilgerväter, ohne mir darüber im Klaren zu sein. Und nun, fast zwanzig Jahre später, erfüllt sich endlich die Verheißung und ich ziehe hinaus, um mein Glück in der Neuen Welt zu suchen.

                                                          Eine schöne Geschichte. Ich werde sie am Flughafen jedem Zollbeamten erzählen, der Zicken macht und wenn sie mich nicht als Language Assistant ins Land lassen, dann stelle ich einen Asylantrag… und dann haben sie richtig viel Arbeit mit mir.